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Kooperation zwischen der Zukunftswerkstatt Teningen
und den Teninger Schulen

Gemeinde, Schulen und Betriebe vor Ort unterstützen Jugendliche in besonderer Weise auf ihrem Weg ins Berufsleben.

Im Frühjahr 2007 entschloss sich die Gemeinde Teningen, eine Zukunftswerkstatt durchzuführen. Durch die Beteiligung aller Leistungsträger der Kommune wurde ein breiter Prozess in Gang gesetzt. Menschen aus Handwerk, Handel, Gastronomie, produzierendem Gewerbe, Industriebetrieben, Dienstleistungsbetrieben, Freien Berufen, Mitarbeiter der Kommunalen Verwaltung und den Vertretern der örtlichen Schulen machten sich Gedanken darüber, wie die wirtschaftliche Entwicklung des Gemeinwesens Kommune in Zukunft gestaltet werden soll.
Motor des Prozesses ist eine Arbeitsgruppe, die von der Unternehmensberaterin Gabriela Bernauer aus Freiburg moderiert wird. Darin arbeiten Unternehmer, Vertreter der Kommune, die Schulleiter der Theodor-Frank-Schule Teningen und der Nikolaus-Christian-Sander-Schule Köndringen sowie Lehrkräfte ehrenamtlich. Die Unternehmer bringen sich außer mit Zeit durch Geld ein. Sprecher der Arbeitsgruppe ist Werner Thieme.
Das Ziel ist ein solides qualitatives Wachstum, wozu die Kommune die Infrastruktur liefert, bei gleichzeitiger Begrenzung des Flächenverbrauchs. Nur wenn die Wirtschaft funktioniert, finden Menschen Arbeit und ein Zuhause in der Gemeinde.
Um künftige Arbeitsplätze zu schaffen, gilt es, das Gute zu erhalten und mit modernem Wissen zu verbinden. Die Sicherung der Fachkräfte von morgen ist ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen. Durch die frühe Information der Schülerinnen und Schüler über neuere und weniger nachgefragte Berufsfelder finden sie sich besser in der Wirtschaftswelt zurecht.
In dem Prozess, der durch die Zukunftswerkstatt angestoßen wurde, kommen Menschen in einen gemeinsamen Dialog, die sich ohne diese Einrichtung niemals kennen gelernt hätten. In Teningen entstand eine deutlich bessere Zusammenarbeit der Vertreter aller Bereiche aus Wirtschaft, Verwaltung und Schule. Ein zentrales Projekt der Zukunftswerkstatt ist die Unterstützung der Schülerschaft auf ihrem Weg in ihre berufliche Zukunft.
Die im Folgenden beschriebenen Projektteile zur Ausbildungsinitiative fanden und finden in Kooperation zwischen der Gemeinde Teningen, dem Gewerbeverein Teningen, der Grund- und Hauptschule in Köndringen, der Haupt- und Realschule in Teningen sowie der Zukunftswerkstatt Teningen statt.

Entwicklung einer Gewerbedatenbank mit Praktika- und Ausbildungsstellenangeboten

Die Realschule der Theodor-Frank-Schule bringt sich mit acht Lehrkräften, 120 Schülerinnen und Schülern und ihrer technischen Infrastruktur in das Projekt ein. Des Weiteren sind zwölf Unternehmer und vier Mitarbeiter der Verwaltung sowie die Moderatorin der Zukunftswerkstatt in dem Projekt aktiv.
Damit Teninger Unternehmen mehr übereinander erfahren und enger miteinander kooperieren können, wird eine frei recherchierbare Datenbank entwickelt. Unter der Leitung der Moderatorin der Zukunftswerkstatt definieren Lehrkräfte, Unternehmer und die Verwaltung ein Pflichtenheft für die Datenbank.
Ein Datenblatt wird konzipiert, mit dessen Hilfe wichtige Informationen über Firmen abfragt werden.
Besonders die Schülerinnen und Schüler in Teningen sollen von der Datenbankentwicklung profitieren. Alle Ausbildungsberufe von Teninger Unternehmen sollen im Internet aufrufbar sein.
Sie können auf dies Weise schnell und unkompliziert freie Praktikaplätze recherchieren. In der Theodor-Frank Schule werden auch EURO-BORS-Praktika im Ausland gefördert (BORS = Berufsorientierung Realschule). Die 25 Unternehmen, die gleichzeitig einem deutschen und einen französischen Schüler einen Praktikumsplatz anbieten, sollen in der Datenbank zu finden sein. Ein lokaler Stellenmarkt wird ebenfalls eingeplant.
Im Folgenden werden die einzelnen Projektschritte beschrieben.

Realschule der Theodor-Frank-Schule Teningen - Projektwoche im März 2008

Die Schüler der vier achten Klassen erhoben im Rahmen einer Projektwoche Daten mittels des erarbeiteten Fragebogens bei den Unternehmen vor Ort.
Die Schüler wurden im Unterricht auf die Projektwoche vorbereitet. Unter dem Motto „Die Wirtschaft am Heimatort kennen lernen“ führte die Moderatorin alle vier Klassen in den Ansatz, die Ziele und Projekte der Zukunftswerkstatt ein. Eine intensive Internetrecherche zum Wirtschaftsstandort beschloss den ersten Projekttag.
Am zweiten Projekttag wurden die vier Klassenzimmer in ein Industriezimmer, ein Handwerkszimmer, ein Einzelhandels- und ein Nahversorgungszimmer und ein Dienstleistungszimmer verwandelt. Vier Unternehmer stellten in je zweistündigen Workshops sich und ihr Unternehmen vor. Sie informierten über ihren Werdegang zum Unternehmer, berichteten über betriebliche Abläufe und über die jeweils hausintern angebotenen Ausbildungsberufe. Querschnittsbereiche zu anderen Sparten der eigenen Branche wurden ebenfalls beleuchtet. Für die Schüler bestand die Besonderheit darin, mit „echten“ Unternehmern in Kontakt zu sein. Menschen, die man sonst, wenn überhaupt, nur aus der Presse kannte.
Der dritte Projekttag diente dem Briefing der Schüler. Die Schüler sollten die Inhalte, die mit Hilfe des Datenblattes abgefragt wurden, verstehen lernen. Dazu wurden in 10er Gruppen virtuelle Unternehmen gegründet. Die pfiffigsten Gründungsideen wurden im Plenum vorgestellt. Anhand der eigenen Erfahrungen konnten die Schüler jetzt die inhaltlichen Fragen des Datenblattes nachvollziehen. Zum Abschluss des Briefings wurde das Auftreten vor Ort in den Unternehmen eingeübt. Wie stelle ich mich richtig vor? Wie erwecke ich Verständnis für mein Anliegen, damit die Unternehmen das Datenblatt ausfüllen? Wie verabschiede ich mich freundlich und zuvorkommend?
Am vierten und fünften Projekttag erfolgte der Außeneinsatz in den Unternehmen. Bei strömendem Regen durchforsteten einhundertzwanzig Schülerinnen und Schüler, aufgeteilt in 21 Gruppen, die vier Ortsteile. Unter der Leitung von kommunalen Mitarbeitern wurden die Betriebe anhand der Gewerbedaten besucht. Straße für Straße, Gewerbegebiet für Gewerbegebiet wurde jede Gruppe von mindestens einem Unternehmer begleitet. Eine Lehrkraft stand für jeweils fünf Schülergruppen in Rufnähe für eventuelle Schwierigkeiten bereit.
An zwei Tagen wurden von den Schülern 380 Unternehmen aufgesucht. Am Ende der ersten Projektwoche lagen 320 ausgefüllte Fragebogen auf dem Schreibtisch des verantwortlichen Wirtschaftsförderers der Gemeinde Teningen. Lehrkräfte, Schüler, Mitarbeiter der Verwaltung und Unternehmer machten gemeinsam eine intensive, bereichernde Erfahrung und haben gegenseitig sehr voneinander profitiert.

Oktober 2008 – Berufsinformationstag - Gemeinsam Zukunftschancen entdecken!

Die Vorbereitung auf das Berufsleben ist ein wichtiger Bestandteil des Bildungsauftrags der Haupt- und Realschule. Wichtig ist dabei, dass sich die pädagogische Arbeit der Schulen eng an dem orientiert, was die Berufswelt von den Schülern als Voraussetzung für eine betriebliche Ausbildung erwartet.
Als es darum ging, Firmen für die Präsentation am Berufsinformationstag zu akquirieren, durchkämmten ein Stuckateurmeister und eine Lehrerin alle Teninger Gewerbegebiete und sprachen persönlich bei den Firmen vor. Dank ihres großen Einsatzes konnten 30 Unternehmen gewonnen werden.
Am 13. Oktober 2008 konnte in der Ludwig-Jahn-Halle Teningen der Berufsinformationstag veranstaltet werden. Von 11.00 bis 19.30 Uhr bestand die Gelegenheit, an Informationsständen mit Unternehmensvertretern und Auszubildenden ins Gespräch zu kommen.
 
Die Zukunftswerkstatt richtete zusätzlich zweimal zehn Intensiv-Workshops aus. Im Rahmen der Workshops informierten Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen über das jeweilige Unternehmen und über die angebotenen Ausbildungsberufe. 180 Schüler der neunten Klassen besuchten mindestens zwei der angebotenen Workshops.
Auszubildende eines führenden Unternehmens richteten selbständig ein Bewerbertraining aus. Sowohl die Ausbilder als auch anwesende Lehrer waren von der Klarheit und Ernsthaftigkeit der Auszubildenden verblüfft.
Außerdem stand das Infomobil von Südwestmetall den Schülern, Lehrkräften und Eltern zur ausführlichen Information über die Metall- und Elektroberufe zur Verfügung.
Eine Podiumsdiskussion zu Fragestellungen rund um den Beruf und die Ausbildungssituation schloss den Berufsinformationstag ab. Auf dem Podium diskutierten Bürgermeister, Vertreter der Wirtschaft, der (beruflichen) Schulen und der Arbeitsagentur.

Realschule der Theodor-Frank-Schule Teningen - Projektwoche im November 2008

Verwaltung, Unternehmer und Lehrer hatten das Pflichtenheft zur Datenbank formuliert. Eine Beta-Version stand im November zur Dateneingabe zur Verfügung. Eine neunte Realschulklasse gab eine Woche lang die Datensätze in vorbereitete Masken ein.
Im Anschluss daran wurden ungezählte Funktionsprüfungen durchgeführt. Die Beharrlichkeit der Lehrkräfte und der Mitglieder der Zukunftswerkstatt deckten etliche Funktionsfehler auf. Nach einer fünfmonatigen Verzögerung waren Anfang April 09 alle Mängel behoben.

April 2009 – www.gewerbestandort-teningen.de  ist im Netz

Im Rahmen des zweiten Teninger Wirtschaftsforums wurde die Datenbank dem anwesenden Regierungspräsidenten Julian Würtenberger und den anwesenden 90 Unternehmerinnen und Unternehmern präsentiert.

Auszug aus der Rede des Regierungspräsidenten:

„Wir alle leben in einer sehr schwierigen Zeit. Die Sünden weniger führen dazu, dass viele stark in Anspruch genommen werden. Dies ist eine bittere Erkenntnis, aber leider Realität.
In dieser Zeit ist das, was Sie in Teningen miteinander leisten, ein Stück Hoffnung. Bleiben Sie auf Ihrem Weg, gehen Sie weiterhin aufeinander zu und setzen Sie Ihre Kreativität nach besten Kräften in Aktionen wie die Gewerbedatenbank um.
Ihnen ist eine hervorragende Synthese von Wirtschaft und Schule gelungen.“

Die enge Verzahnung von Verwaltung, Unternehmen und Schule trägt für alle Beteiligten gute Früchte. Gegenseitiges Vertrauen, Einbringen der jeweiligen Stärken und der gemeinsame Wille sich für eine erfolgreiche Nachwuchsförderung stark zu machen ist ein generationenübergreifender Gewinn.

Teningen, im Juni 2009

Gabriela Bernauer, Markus Felder